Ehrenamt in der Schulbibliothek der Moltke-Schule

Erstellt

von _Admin B.Brecht-Hadraschek

Gesina Kegel schaut gemeinsam mit Schülerin in Buch - Ehrenamt in der Schulbibliothek

Lesen ist Kulturgut. Bücher erschließen uns neue Welten und eröffnen (nicht nur) Kindern neue Perspektiven. Bibliotheken sind immer noch ein zentraler Speicher unseres Weltwissens – und Schulbibliotheken ein ganz wesentlicher Baustein, um die Lesekompetenz von Schüler*innen weiter zu entwickeln. Die Schulbibliothek der Helmut-James-von-Moltke-Schule in Nord-Charlottenburg existiert mittlerweile seit 2006 – und ist ohne das Engagement von Ehrenamtlichen wie Gesina Kegel, Gerd Lewin und Brigitte Reichel nicht denkbar. Ein Gespräch vor Ort.

Es ist gerade Unterricht – und in der Schulbibliothek „Bücherwurm“ ist es ungewöhnlich leer. Neben prall gefüllten Bücherregalen gibt es ein orangefarbenes Lesesofa, drapiert mit bunten Decken und Kuscheltieren und viele Kissenstapel, die zum gemütlichen Reinkuscheln und Schmökern einladen. „Sonst tummeln sich hier in den Pausen manchmal bis zu zwanzig Kinder in den Leseecken“, erzählt Gesina Kegel. Zusammen mit Gerd Lewin und Brigitte Reichel sorgt sie dafür, dass auf die Kinder immer genug gut sortierter Lesestoff in den Regalen wartet.

Gerd Lewin und Gesina Kegel vor den Bücherregalen der Schulbibliothek
Gerd Lewin und Gesina Kegel

Gesina Kegel ist mittlerweile Rentnerin und betreut die Bibliothek hauptsächlich ehrenamtlich. Sie koordiniert die Ehrenamtlichen und tauscht sich mit der Schulleitung sowie dem Kollegium aus, das die Bibliothek jederzeit auch zwischendurch nutzen kann. „Alle Kolleg*innen haben einen Schlüssel für den Raum,“ erklärt Gesina Kegel. Sie verbindet eine lange Geschichte sowohl mit der Schule als auch mit der Bibliothek. Schon 1998 begann sie für die damals noch tandem BQG eine Schulstation als Pilotprojekt mit aufzubauen. Nach einigen Jahren Pionierarbeit konnte die Schulstation in die Regelfinanzierung überführt werden und ist bis heute in der Verantwortung der tandem BTL.

Ein verstecktes Kleinod wird entdeckt

Um 2002/3 entdeckte sie eine verwaiste Schulbibliothek und begann diese mit zwei ehrenamtlichen Frauen aus der Organisation „Gute Tat“ zu sichten, zu katalogisieren und wiederaufzubauen. „Als die Schule organisatorisch in den Ganztagsunterricht überführt wurde, musste die Schulbibliothek aber erstmal warten, denn die Räume wurden für anderen Zwecke gebraucht“, erinnert sich Gesina Kegel. Nach einem Umzug begann die drei 2006 das Projekt nochmal neu anzugehen. Das alles geschah parallel zur Arbeit in der Schulstation ehrenamtlich. Im März 2007 wurde die Schulbibliothek schließlich feierlich eröffnet, auch in Anwesenheit von Klaus Sprenger, dem damaligen Geschäftsführer der tandem BQG. Nachdem Gesina Kegel in Rente gegangen war, betreute sie zunächst auf Minijobbasis der Schulbibliothek weiter – und ist bis heute mit viel Herzblut bei der Sache. „Ich konnte dieses tolle Projekt doch nicht sterben lassen.“

Der Bücherflüsterer

Gerd Lewin beim Blättern in einem Buch in der Schulbibliothek

Gerd Lewin ist wie Gesine Kegel Rentner. „Ich war früher Steuerberater, mit 75 habe ich gesagt: Damit ist Schluss! Jetzt engagiere ich mich vielfältig. Und weil Bücher schon immer etwas ganz Wichtiges für mich waren, betreue ich neben der Schulbibliothek noch zwei Bücherboxen im Kiez und mache im Stadtteilzentrum Halemweg ein Literaturcafé.“ Die Kinder in diesem Brennpunktkiez zu der Welt der Bücher zu führen macht ihm große Freude. „Ich finde es wichtig, dass die Kinder eine Beziehung zur Bibliothek bekommen, sich hier wohlfühlen und gerne kommen.“  Am liebsten würde er noch viel mehr machen. „Toll wäre es, wenn wir auch Veranstaltungen anbieten könnten, zum Beispiel am Tag des Vorlesens. Dieses Bilderbuchkino finde ich ganz klasse!“ „Die Kinder lieben den Gerd.“ Gesina Kegel lacht.

Ein vielfältiger Arbeitsalltag zwischen Büchern

Schüler beim Schmökern in der Schulbibliothek: Ehrenamt an Schulen
Bildquelle: Gesina Kegel

Der Arbeitsalltag in der Bibliothek gestaltet sich für die drei Ehrenamtlichen sehr vielfältig: Bücherspenden sichten, Bücher katalogisieren und in die Regale sortieren, mit den Kindern lesen, aufräumen – und immer wieder auch Anlaufstation für Sorgen und Nöte sein. Das gehört in dieser vertrauensvollen Atmosphäre einfach auch dazu.

Als es zur Pause klingelt, schwärmen die ersten Kinder in die Bibliothek. Manche fläzen sich nur auf die Kissen und plaudern ein bisschen untereinander und mit den beiden ehrenamtlichen Bibliothekar*innen. Manche nehmen sich gleich ein Buch und lesen in Ruhe auf der Bibliothekscouch. „Vor allem die Klassen 1-4 sind hier und nutzen das Angebot. Manchmal sind hier zehn bis zwanzig Kinder,“ erklärt Gesina Kegel. Jeden Tag gewährleistet einer der drei Ehrenamtlichen, dass die Kinder in der großen Pause eine offene Tür zur Bibliothek vorfinden. Hinzukommen Bücher-AGs und Lesestunden mit den Kindern.

Nicht nur die Schüler*innen, auch die Schulleitung und die Lehrkräfte schätzen die Arbeit der Schulbibliothek.  „Es ist toll, dass die Lehrer*innen uns so viel Wertschätzung entgegenbringen. Das merkt man auch daran, dass die Kolleg*innen uns richtig tolle Bücher spenden. Wir haben sogar englisch- und türkischsprachige Bücher in unserem Bestand.“ Neben dem persönlichen Gespräch laufen viele Absprachen mit den Lehrer*innen und untereinander heute über WhatsApp oder E-Mail, regelmäßig gibt es Termine mit der Schulleitung. Das alles zu koordinieren kostet viel Zeit. „Das geht nur mit Engagement und Liebe, jede Decke, jedes Kuscheltier ist hier von uns organisiert“, erzählt Gesina Kegel. „Eigentlich bräuchten wir ein bis zwei neue und jüngere Mitstreiter*innen.  Richtig perfekt wäre eine feste halbe Stelle hier,“ meint die ehemalige tandem-Mitarbeiterin.

Doch erstmal überlegen die drei, wie sie neue Bücher organisieren können. „Wir bräuchten viel mehr fremdsprachige Bücher und neue Sachbücher!“ sagt Gerd Lewin.

Bücherspenden sind willkommen!

Die Schulbibliothek der Helmut-James-von-Moltke-Schule freut sich über wertige Bücherspenden. Besonders willkommen sind fremdsprachige Bücher (englisch/türkisch) und aktuelle Sachbücher für Kinder- und Jugendliche. Bücherspenden können direkt in der Schule mit dem Vermerk „für die Schulbücherei“ abgegeben werden (z.B. beim Hausmeister). 

Bürgerschaftliches Engagement an Schulen

Wenn Sie sich für ein Ehrenamt an einer Schule interessieren – oder für Ihre Schule engagierte Ehrenamtliche suchen, können Sie sich auch an unsere Koordinatorin Bürgerschaftliches Engagement an Schulen wenden:

Christiane Winkler
Telefon:  030 443360-61
Mobil: 0160 90903339
E-Mail: c.winkler@tandembtl.de

(Bildquellen: Barbara Brecht-Hadraschek, Gesina Kegel)


0 Kommentare

Ihr Kommentar