Berufsbegleitende Teilzeitausbildung

Erstellt

von Barbara Brecht-Hadraschek

Erzieher in Ausbildung in Lernsituation im Klassenzimmer
Foto: Margarete Caspari

Mehr als 10.000 Menschen absolvieren derzeit in Berlin eine Erzieher*innen-Ausbildung in Voll- und Teilzeit. Auch bei der tandem BTL arbeiten mittlerweile mehr als 30 Erzieher*innen in Ausbildung in Kitas, in der Ergänzenden Förderung und Betreuung in Grundschulen und Förderzentren und in den Ambulanten Hilfen, z.B. in der Eingliederungshilfe. Grundlage ist eine dreijährige berufsbegleitende Teilzeitausbildung, die in einem engen Theorie-Praxisverbund stattfindet. Halbtags arbeiten die Kolleg*innen bei uns als Erzieher*in in Ausbildung. Parallel zu dieser beruflichen Tätigkeit erfolgt eine Theorievermittlung durch eine Fachschule für Sozialpädagogik – in der Regel an zwei Tagen in der Woche.

„Die berufsbegleitende Erzieher*innenausbildung verbindet sehr gut die theoretischen Anteile dieses Berufes mit der Praxis. Das ist aber gleichzeitig eine große Herausforderung, sowohl für die Auszubildenden wie auch für die Anleiter*innen und Einrichtungen“, erklärt Claudia Mühlmann, Bereichsleiterin Tagesbetreuung. Denn vom ersten Tag an in einer Einrichtung haben die Auszubildenden die komplette Verantwortung für ihre Arbeit. Weil die Menschen in der nebenberuflichen Ausbildung gleich zu 100% als Fachkräfte gelten, müssen sie auch sofort alle Verpflichtungen der Fachkräfte erfüllen.

„Darin liegt ein großes Spannungsfeld“, betont Claudia Mühlmann. Hat eine Einrichtung beispielsweise die höchstmögliche Quote von 33 % ihrer Belegschaft mit nebenberuflich Auszubildenden erreicht, besteht diese Belegschaft zu ungefähr einem Drittel aus Mitarbeiter*innen mit zum Teil keinerlei pädagogischer Erfahrung. Doch auch diese Mitarbeiter*innen müssen beispielsweise alle das in Berlin verpflichtend zu führende Sprachlerntagebuch in Kindertagesstätten führen, die Entwicklungsdokumentation machen. „In der Praxis sieht das natürlich anders aus. Wenn jemand etwas (noch) nicht kann, dann muss er/sie es erst lernen. Das führt zu Mehrarbeit für die Kolleg*innen, die an den Standorten arbeiten.“

Als eine besondere Herausforderung erweist sich auch die Einsatzplanung dieser besonderen Teilzeit-Mitarbeiter*innen. Denn die nebenberuflichen Azubis sind, je nachdem an welcher Fachschule sie beschäftigt sind, häufig an zwei Schultagen nicht am Standort. „Das reißt natürlich Löcher in die Kontinuität der Beziehungen und der Arbeit, die ausgeglichen werden müssen. Das ist wirklich eine große Herausforderung für jede Einrichtung“, betont die Bereichsleiterin.

Doch Claudia Mühlmann sieht auch die Chancen dieses Modells. „Die Mitarbeiter*innen erfahren dank der dreijährigen berufsbegleitenden Ausbildung eine ganze andere Bindung an ihre Einrichtung und es besteht die große Chance, dass sie auch nach ihrer Ausbildung ein Teil dieses Teams bleiben.“

Das Modell in den Ambulanten Hilfen

Auch in den Ambulanten Hilfen gibt es mittlerweile zehn Erzieher*innen in Ausbildung. Hier werden die Anleitung und die Arbeit anders organisiert als in den Einrichtungen der Tagesbetreuung. „Auch ohne ein festes Team in einer Einrichtung finden sich die Auszubildenden in ihre Tätigkeit sehr gut ein, insbesondere in der 1-zu-1-Betreuung bei Kindern und Jugendlichen mit Behinderung finden sie verschiedenste Möglichkeiten, ihr theoretisch erworbenes Wissen umzusetzen oder auch Fragestellungen mit in die Schule zu nehmen“, resümiert Melanie Weiland, Bereichsleiterin der Ambulanten Hilfen, die Erfahrungen aus dem ersten Jahr.

Die Aufgabe und Rolle der Anleiter*innen

Sowohl für die Tagesbetreuung als auch für die Ambulanten Hilfen gilt: Jeder Auszubildende erhält im jeden Ausbildungsjahr wöchentliche Anleitungsstunden. In diesen wird zum Beispiel gemeinsam die Arbeit des Auszubildenden reflektiert, der Ausbildungsplan besprochen, der Transfer von der Theorie zur Praxis gesucht und Lösungsstrategien für Probleme gefunden. Neben den fest eingeplanten 1:1-Besprechungen zwischen Auszubildenden und Anleiter*in sind Tür- und Angelgespräche, Hospitationen und das Arbeiten Hand-in-Hand Methoden, die Auszubildenden gut an ihrem Arbeitsplatz direkt anzuleiten.

In den Ambulanten Hilfen stellen zurzeit die Abteilungsleitungen die Anleitung der Erzieher*innen in Ausbildung sicher. In der Tagesbetreuung gibt es in allen Einrichtungen Anleiter*innen.

Die Anleitung und Begleitung der Erzieher*innen in berufsbegleitender Ausbildung bei tandem BTL ist mittlerweile vereinheitlicht und erfolgt nach ähnlichen Standards in den unterschiedlichen Bereichen. „Mich freut es sehr, dass unser Unternehmen ein bereichsübergreifendes Rollenprofil für die Praxisanleiter*innen entwickelt hat und diese Standards auch in unserer Fortbildung für Praxisanleiter*innen vermittelt werden“, erklärt Melanie Weiland.

„In dieser Fortbildung geht es um die Grundlagen, die uns wichtig sind. Die Teilnehmer*innen erfahren, wie sie einen Ausbildungsplan erstellen, sie erhalten eine Einführung in rechtliche und strukturelle Grundlagen der berufsbegleitenden Ausbildung sowie eine Orientierung zum Erstellen von Beurteilungen“, skizziert Claudia Mühlmann die Fortbildungsinhalte.

Die nächste Fortbildung „Lernort Praxis. Mentoring für Erzieher*innen in berufsbegleitender Ausbildung“ findet im September 2019 statt. Die Erfahrungen in der Umsetzung der Fortbildungsinhalte werden an einem weiteren Fortbildungstag im März 2020 ausgewertet und gemeinsam aufgearbeitet.

Dieser Artikel erschien auch in unserem tandem MAGAZIN Ausgabe 4/2019. Das ganze Heft können Sie hier kostenlos herunterladen.

Lesen Sie außerdem das Interview mit zwei Praxisanleiterinnen in Kita und Ergänzende Förderung und Betreuung sowie das Interview mit einem Erzieher in Ausbildung an einem Förderzentrum.


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