Ob in den Familien, in der Notbetreuung oder virtuell: Die pädagogische Arbeit geht weiter!

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Thema Corona

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Unsere Mitarbeiter*innen sind als pädagogische Fachkräfte geübt darin, mit viel Expertise und Kreativität flexibel auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen einzugehen. In der Corona-Krise sind diese Fähigkeiten jetzt noch mehr gefordert, damit alle Kinder und Jugendliche, alle Familien in dieser schweren Zeit nicht alleine stehen und Unterstützung finden. Ein Blick in die pädagogische Praxis in Zeiten von Corona.

Während die Mitarbeiter*innen aus den Ambulanten Hilfen weiterhin direkt in die Familien und zu ihren Klient*innen gehen, um diese in der Krisenzeit besonders intensiv zu unterstützen, sorgen in den Schulen und Kitas kleine Teams für eine zuverlässige Notbetreuung der verbliebenen Kinder. Viele Kolleg*innen arbeiten außerdem aus dem Homeoffice: Einerseits ist jetzt Zeit für die Weiterentwicklung von pädagogischen Konzepten, andererseits stehen die Mitarbeiter*innen im engen Austausch mit Kindern, Jugendlichen und Eltern. Es gibt in allen Einrichtungen der Tagesbetreuung und an den Standorten der Schulsozialarbeit Telefonsprechstunden für Kinder und Eltern – darüber hinaus rufen die Mitarbeiter*innen proaktiv in Familien an und erkundigen sich nach dem Stand der Dinge. Per Telefon, Smartphone, Skype, Mail, Web, Instagram beantworten die pädagogischen Fachkräfte Fragen, hören sich Sorgen an, geben vielfältige Tipps für die Freizeitgestaltung und praktische Anleitungen für den Alltag. Sogar Videoklassenkonferenzen mit den Schüler*innen werden mittlerweile von Teams der Schulsozialarbeit gesteuert.

Tagesbetreuung: Im Kontakt bleiben zu Kindern und Eltern ist wichtig

Gérard Leitz, Einrichtungsleiter der Ergänzenden Förderung und Betreuung (EFöB) an der Hans-Fallada-Schule in Neukölln
Gérard Leitz

„Unsere Kolleg*innen sind mit vielen Eltern per Mail im Kontakt. In manchen Familien rufen wir auch ein bis zweimal die Woche persönlich an. Wir fragen wie es ihnen geht, hören uns ihre Sorgen an. Gerade bei Familien, bei denen wir wissen, da ist positiver Input, mal eine Idee für den Alltag, eine persönliche Ansprache wichtig“, sagt Gérard Leitz, Einrichtungsleiter der Ergänzenden Förderung und Betreuung (EFöB) an der Hans-Fallada-Schule in Neukölln. Diese pädagogische Arbeit ist für die Mitarbeiter*innen ungewohnt – und viele vermissen den direkten Kontakt zu „ihren“ Kindern. Aber diese „virtuelle“ Arbeit ist gerade für die Kinder und Familien, die auf sich gestellt ihren gemeinsamen Alltag neu organisieren müssen, oft in sehr beengten Wohnungen, von großer Bedeutung.

ohann Schellenberg, Einrichtungsleiter der EFöB an der Charlotte-Pfeffer-Schule
Johann Schellenberg

Für die Pädagog*innen in der EFöB am Förderzentrum der Charlotte-Pfeffer-Schule ist die engmaschige telefonische Beratung der Eltern schon lange Alltag. „Aufgrund der Sprachbarrieren - viele unserer Eltern können wenig oder kein Deutsch lesen - haben wir schon seit Jahren sehr intensiven telefonischen Kontakt mit den Eltern,“ erklärt Johann Schellenberg, Einrichtungsleiter der EFöB an der Charlotte-Pfeffer-Schule. Das engmaschige telefonische Nachfassen und Beraten ist in der aktuellen Krisensituation intensiv abgestimmt zwischen Schulleitung, Schulsozialarbeit, EFöB und Jugendamt. Für jede Familie gibt es eine*n feste*n Ansprechpartner*in. „Für unsere Kinder, aber auch für die Eltern, ist die Situation besonders schwierig. Die Kinder sind zu Hause auf sich gestellt, die Familien sind es nicht gewohnt, ihr oft mehrfach behindertes Kind den Tag über zu beschäftigen. Die ganzen Therapien, die sonst an der Schule stattgefunden haben, Logopädie, Ergotherapie etc. pp. – das findet jetzt alles nicht statt. Und das kann natürlich auch nicht alles zuhause aufgefangen werden. Wir unterstützen, indem wir telefonisch ganz konkrete, praktische Hinweise geben, wie man Entlastung schaffen kann – das fängt bei Spielideen für die Kinder an und geht bis zu konkreten Tipps, wie man das gemeinsame Mittagessen gestalten kann. Und wir schauen genau hin, wie sich die Familiensituation entwickelt.“

Tagesgruppe Marzahn: Keine Corona-Ferien, dafür Unterstützung und Prüfungsvorbereitungen im Einzelgespräch

Heike Schiganow, Leiterin der Tagesgruppe Marzahn
Heike Schiganow

In der Tagesgruppe Marzahn werden normalerweise schuldistanzierte Jugendliche in kleinen Gruppen unterrichtet und gefördert, um sie wieder an die Regelschule heranzuführen. Einige dieser Jugendlichen stecken gerade - wie viele Berliner Schüler*innen - in MSA-Prüfungsvorbereitungen. Mit diesen wird an ihren Präsentationen gearbeitet. Damit alle Schüler*innen wirklich am Ball bleiben, gibt es mindestens zweimal die Woche Einzeltermine in der Tagesgruppe vor Ort. Hier erhalten die Schüler*innen ihre Aufgaben für zu Hause und die erledigten werden gemeinsam besprochen. „Die Schüler*innen freuen sich richtig, uns zu sehen und in den persönlichen Austausch gehen zu können“, erzählt Heike Schiganow, Leiterin der Tagesgruppe Marzahn. Alles natürlich mit dem notwendigen Abstand zueinander. Mit den Eltern bleiben die Mitarbeiter*innen via Telefon im persönlichen Kontakt, stehen für Fragen zur Verfügung, hören sich Sorgen an, unterstützen mit Ideen für die Freizeitgestaltung und eine gute Tagesstruktur.

Ambulante Hilfen: Pädagogische Arbeit auf Hochtouren

Melanie Weiland, Bereichsleiterin der Ambulanten Hilfen.
Melanie Weiland

Während die pädagogischen Fachkräfte in der Tagesbetreuung und der Schulsozialarbeit gerade viele neue Wege finden müssen, mit „ihren“ Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben und die Familien pädagogisch in dieser Krisenzeit gut zu begleiten, gibt es auch in der ambulanten Arbeit eklatante Änderungen.  „Alle Kolleg*innen halten Kontakt zu ihren Betreuten und leisten teilweise noch mehr Arbeit, um die Familien zu entlasten. Sie klären zu Corona auf und versuchen Überforderungssituationen auch im Sinne des Kinderschutzes zu deeskalieren,“ erklärt Melanie Weiland, Bereichsleiterin der Ambulanten Hilfen. Rund 150 Familien mit ihren Kindern mit Behinderung werden so weiterhin intensiv unterstützt, dabei ungefähr 75% der Familien auch im direkten Kontakt vor Ort. Es werden zusätzlich telefonische Beratungen angeboten und mit den Kindern und Jugendlichen alternative Kommunikationsmöglichkeiten installiert. Hinzukommen ca. 40 Menschen mit Behinderung, die im Betreuten Einzelwohnen unterstützt werden. „Auch hier machen wir das, was wir schon vor Corona gemacht haben: Wir begleiten zu Ärzt*innen, unterstützen im Haushalt und bei Einkäufen, lesen Briefe vor und erklären ihren Inhalt in leichter Sprache, treffen Absprachen mit Pflegediensten, gesetzlichen Betreuern uvm. In Zeiten von Corona natürlich alles unter erschwerten Bedingungen.“ Ohne diese Arbeit drohe die Isolation der Betroffenen, befürchtet Melanie Weiland.

So vielfältig die Herausforderungen sind, die sich aktuell stellen, so unterschiedlich sind die Lösungen, die gerade gefunden werden. Vor allem die gegenseitige kollegiale Unterstützung wird von den Mitarbeiter*innen als wohltuend und wichtig angesehen, um weiter die notwendige Energie für die nächsten Wochen aufzubringen.


Vielen Dank!

Für den unermüdlichen Einsatz in Familien, in der Notbetreuung und im Homeoffice danken wir unseren Mitarbeiter*innen von ganzem Herzen! Ihre pädagogische Expertise, Ihre Kreativität und Ihr Engagement sind in dieser Krisensituation von großer Bedeutung für die Kinder und Familien in Berlin.


Beispiele für weitere virtuelle Initiativen

In der Grundschule am Stadtpark Steglitz bleiben die Schulsozialarbeiter*innen mit kleinen Briefen von Raffi der Giraffe mit den Schüler*innen im Kontakt. RAFFI ist ein Giraffen-Maskottchen, mit dem die Kinder normalerweise Gewaltfreie Kommunikation lernen. Jetzt schreibt RAFFI jeden Tag einen Brief mit kleinen Denkaufgaben, die über den Schulblog bei tandem veröffentlicht werden.

In der Grundschule an der Bäke liefern die Erzieher*innen, über ihren Schulblog, täglich neue Basteltipps mit selbst erstellten Fotoanleitungen und einfache Backrezepte zum nachmachen. An anderen Schulen gibt es Kreativwettbewerbe, zum Beispiel an der Dreilinden-Grundschule. In der Kita Treptower Straße wird die Kitaleitung wöchentlich „Newsletter“ veröffentlichen, mit nützlichen und wichtigen Informationen und vielfältigen Ideen und Tipps der Erzieher*innen.


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