Erzieher*in in Ausbildung in einem Förderzentrum

Erstellt

von Barbara Brecht-Hadraschek

Erzieher in Ausbildung schaut mit einem Schüler ein Bilderbuch an
Foto: Margarete Caspari

„Besonders gut gefällt mir die interdisziplinäre Teamarbeit“
Shawn Röpke über seine Erfahrungen als Erzieher in Ausbildung in einem Förderzentrum

Shawn Röpke ist einer der 30 Erzieher*innen in Ausbildung bei der tandem BTL. Er hatte schon sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Ergänzenden Förderung und Betreuung an der Charlotte-Pfeffer-Schule gemacht und dort die Arbeit und das Team gut kennen lernen können. Nach seinem FSJ hat er noch ein weiteres Jahr als Schulbetreuer an der Charlotte-Pfeffer-Schule gearbeitet, bevor er dann die Erzieherausbildung begann. Für die berufsbegleitende Ausbildung hat er sich entschieden, weil er gerne weiterhin in der Charlotte-Pfeffer-Schule arbeiten wollte und dort auch die Möglichkeit hat, die gelernte Theorie direkt in der Praxis anzuwenden. Im Sommer 2019 startet er ins dritte Semester seiner berufsbegleitenden Erzieherausbildung.

tandem-Redaktion: Sie sind als berufsbegleitender Auszubildender neben der Arbeit am Standort auch noch an einigen Tagen in der Berufsschule. Können Sie mir sagen, wie sich diese Doppelbelastung für Sie in der Praxis gestaltet?

Shawn Röpke: Ich bin an allen fünf Tagen in der Woche in meiner Einrichtung tätig und zusätzlich an zwei Tagen, Montagnachmittag und Mittwochvormittag, in der Berufsschule beim SPI. Da ich nur an zwei halben Tagen in der Berufsschule bin, kann ich in der Praxis an allen Teamsitzungen teilnehmen und sehr viel aus der Praxis in die Berufsschule mitnehmen. In jedem Semester gibt es eine Blockwoche, in der ich komplett in der Berufsschule bin. Meinen Einsatzplan am Standort konnten wir sehr gut mit den Anwesenheitszeiten in der Berufsschule abstimmen, so dass beide Aufgaben für mich gut zu bewältigen sind, ohne dass es sich als Belastung anfühlt.

Redaktion: Haben die Ausbildungsjahre unterschiedliche Themenschwerpunkte?

Shawn Röpke: Ja, pro Semester gibt es unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte. Im ersten Schulhalbjahr waren zum Beispiel Aufsichtspflicht und Spielgestaltung, Spielplanung und Durchführung übergeordnete Themen im Curriculum – und im zweiten Semester stehen gerade die Psychomotorik, Sprache und Sprachförderung im Fokus.

Zwischen Theorie und Praxis

Erzieher in Ausbildung in Lernsituation im Klassenzimmer
Foto: Margarete Caspari

Redaktion: Warum haben Sie sich in Bezug auf die Praxisstelle für den sonderpädagogischen Bereich entschieden haben?

Shawn Röpke: Die individuelle Arbeit in kleineren Lerngruppen, der verstärkte Blick auf die/den einzelne*n Schüler*in und die Herausforderung, individuelle Lern- und Spielangebote für die Schüler*innen zu entwickeln, haben mich dazu bewegt, meinen Praxisanteil an einem Förderzentrum mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“ abzuleisten. Was mir besonders gut gefällt, ist die interdisziplinäre Teamarbeit, dass heißt die Zusammenarbeit mit den Sonderpädagog*innen, den pädagogischen Unterrichtshilfen, den Therapeut*innen und den Kolleg*innen der EFöB, die alle mit dem jeweiligen Schüler*innen arbeiten. Man kann hier sehr viel lernen.

Redaktion: Können Sie die theoretischen Inhalte, die im Rahmen Ihrer Erzieher*innenausbildung vermittelt werden, in Ihre praktische Arbeit mit den Schüler*innen mit einbeziehen?

Shawn Röpke: Zum größten Teil kann ich die theoretischen Inhalte in meine Arbeit miteinbeziehen. Zum Beispiel bei Bewegungsangeboten und im Bereich der Sprachentwicklung kann man die theoretischen Inhalte relativ gut in der Praxis anwenden. Es gibt aber auch einige Themen, die für die Frühpädagogik in der Kindertagesstätte ausgelegt sind, die sich dann schwieriger oder auch gar nicht auf den Bereich der sonderpädagogischen Förderung von geistig behinderten Schüler*innen übertragen lassen. Ich habe aber immer die Möglichkeit meine pädagogischen Ideen im Team und mit meinen Gruppenkolleg*innen zu besprechen und nach Umsetzungsmöglichkeiten zu schauen, um so Erfahrungen zu sammeln.

Redaktion: Haben Sie für die Reflexion der praktischen Arbeit einen Praxisanleiter?

Shawn Röpke: Ja, ich habe einen festen Praxisanleiter, mit dem ich mich regelmäßig einmal in der Woche zu einem festen Termin treffe. Hauptsächlich geht es dann darum, die vergangene Woche zu reflektieren und auszuwerten. Wir besprechen die Angebote, die ich vorbereitet habe, und schauen, was ist gut gelaufen und wo gibt es noch Verbesserungsbedarf. Wenn es schwierige Situationen mit Schüler*innen gab oder Probleme in der Gruppenarbeit sprechen wir noch einmal darüber und suchen nach Lösungsstrategien. Auch alle organisatorischen Fragen, besonders die Berufsschule betreffend, bespreche ich mit meinem Praxisanleiter. Hier geht es meistens um Arbeitsaufträge der Berufsschule, die ich in der Praxis umsetzen muss. Ebenfalls konnte ich mit Hilfe meines Praxisanleiters mehrere Mitschüler*innen meiner Berufsschulklasse zu einer Hospitation mit anschließendem Auswertungsgespräch in unsere Einrichtung einladen.

Redaktion:
Können Sie uns sagen, was derzeit Ihre hauptsächlichen Aufgaben in der praktischen Arbeit als Auszubildender sind?

Shawn Röpke: Das wirklich Schöne an meiner Einrichtung ist, dass ich sehr gut ins Team und die Strukturen der Einrichtung integriert bin. Ich habe einen regen Austausch mit den Kolleg*innen vor Ort und nehme an allen Teamsitzungen und Besprechungsrunden teil. Soweit es geht kann ich alle Aufgaben, die die anderen Fachkräfte täglich erledigen, auch mitmachen. Ich bin bei der Planung der Aktivitäten und Fördermaßnahmen beteiligt, ich nehme an den Elternabenden und an Elterngesprächen teil und bin auch bei den Fallbesprechungen der Schüler*innen meiner EFöB-Gruppe mit anwesend. Aber auch ganz praktisch bin ich täglich in der Arbeit dabei und unterstütze die Schüler*innen bei ihren Aufgaben und Projekten, spiele mit ihnen, begleite diese zu verschiedenen AGs und gehe mit den schwerstmehrfach behinderten Schüler*innen in die Förderpflege.

Redaktion: Haben Sie jetzt schon Pläne für die Zeit nach der Ausbildung zum Erzieher?

Shawn Röpke: Ja, ich könnte mir vorstellen, danach noch den Facherzieher für Integration zu machen oder vielleicht noch einmal in diese Richtung zu studieren, zum Beispiel Heilpädagogik oder Sonderpädagogik.

Redaktion: Lieber Herr Röpke, herzlichen Dank für das Interview!

Das Interview führte Johann Schellenberg.

Dieser Artikel erschien auch in unserem tandem MAGAZIN Ausgabe 4/2019. Das ganze Heft können Sie hier kostenlos herunterladen.

Lesen Sie außerdem unseren Artikel zum Thema "Berufsbegleitende Teilzeitausbildung als Erzieher*in" und das Interview mit zwei Praxisanleiterinnen in Kita und Ergänzende Förderung und Betreuung.


0 Kommentare

Ihr Kommentar